Elektromobilität
Verliert Deutschland den Anschluss?
"Wir haben keine Altlasten mit der Verbrennungsmaschine und können uns die Zukunft der Mobilität ohne Einschränkungen ansehen", sagte Prof. Dr. Gernot Spiegelberg, Vice President Strategie und Technologie, Siemens AG, beim »Würzburger Automobil Gipfel«. Sein Fazit: Alleine in Europa gibt es rund 10 Millionen Zweitfahrzeuge, die nie über 60 Kilometer am Stück zurücklegen. Ideale Voraussetzungen, um in die Elektromobilität einzusteigen.
Ausgehend von dem zunehmenden Eintrag von Energiespitzen ins Netz durch erneubare Energien (Wind-, Wasser- und Solarstrom) sieht die Siemens AG ihre Kompetenz auf dem Energieverteilsektor für eine Neugestaltung des Netzes. Ziel sei es, sagte Prof. Dr. Gernot Spiegelberg in seinem sehr engagierten Vortrag, durch den bidirektionalen Anschluss des Batteriespeichers von E-Fahrzeugen das Netz stabilisierend unterstützen zu können. Praktisch heißt das, dass Siemens zukünftig Fahrzeugbatterien nutzen will, um saisonal anfallende Energie zu puffern. Dafür will Siemens die Stromverteilung ins und aus dem Fahrzeug organisieren.
Positiver Nebeneffekt des Speicherkonzepts: Durch die Mehrfachnutzung der Batterie als Speicher und Antriebsquelle kann auch ein Kostensharing der teuren Batterie angedacht werden. "Das Konzept steht und die Produkte haben wir im Portfolie", sagte Spiegelberg in Würzburg. Siemens reichen schon 200.000 Fahrzeuge, um durch den bidirektionalen Anschluss des Batteriespeichers von E-Fahrzeugen das Netz zu stabilisieren.
"Der Parallelhybrid ist eine Sackgasse"
Dem Parallelhybrid erteilte er dabei eine Absage: "Das bringt doch nur zusätzliches Gewicht, wenn man ein und die selbe Achse aus zwei grundsätzliche verschiedenen Quellen antreibt", sagte Spiegelberg. Nach der Übergangslösung serieller Hybrid führt seiner Ansicht nach kein Weg am Radnabenantrieb vorbei.
"Die Zeit ist reif, um in die Elektromobilität einzusteigen", sagte Spiegelberg weiter. Allerdings nicht in Deutschland, weil nach Ansicht von Spiegelberg hierzulande viel zu viele Marktteilnehmer zwischen Energieerzeuger und Verbraucher geschaltet sind. Ganz anders in China: Hier will die Chinesische Regierung jedes E-Auto mit umgerechnet 6.800 Euro fördern.
"Die Chinesen machen bei der Elektromobilität ernst"
Hinzu kämen Incentives, beispielsweise Verkehrsbeschränkungen in Shanghai und Peking: Erst dürften Automobile mit Verbrennungsmotor nur einen Tag pro Woche nicht mehr in die Innenstädte fahren. Dann zwei und drei und schließlich braucht man sich in einer chinesischen Großstadt überhaupt kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr zu kaufen. "Die Chinesen machen bei der Elektromobilität ernst", sagte Spiegelberg weiter.
Dafür spräche auch die Ankündigung von BYDAuto, ein E-Auto für umgerechnet 25.000 Euro auf den Markt zu bringen. "Können die Chinesen eine Batterie für 200 Euro pro Kilowattstunde bauen, während bei uns die Kilowattstunde 700 Euro kostet?", fragte Spiegelberg in Würzburg. "Wenn ja, dann machen wir was falsch."
Jens Badstübner




